Warum jetzt auch noch Hundeyoga?

Ganz einfach, weil es helfen kann. Aber vielleicht sollte ich mal weiter ausholen, wieso dies mein neues Herzensprojekt ist.

Jeder Mensch hat diese Phasen, wo nichts so richtig funktionieren will. Andreas Bourani hat es in seinem Song „Hey“ treffend ausgedrückt:

„Wenn das Leben grad zu allem schweigt
dir noch eine Antwort schuldig bleibt
dir nichts andres zuzurufen scheint als Nein“

Natürlich habe auch ich diese Phasen, wo das Gleichgewicht fehlt. Nach zwei Yoga-Volkshochschulkursen hatte ich in einer solchen Phase die Idee, regelmäßiges Yoga könnte helfen. Aber „regelmäßig“ ist genau das Problem in meinem Job. Eine Kundin hat mich dann auf eine Yogaschule aufmerksam gemacht, die extrem flexible Kurszeiten hatte. Man darf zwischen den Kursen „hoppen“. Okay, wenn ich es da nicht schaffe, schaffe ich es nie. Also habe ich begonnen – hochmotiviert. Die ersten Stunden waren furchtbar. Die körperlichen Grenzen wurden locker aufgezeigt, den Geist hat es ordentlich durchgeschüttelt. Konzentration auf die Atmung – lustiger Gedanke. ABER – es wurde vieles besser. Der verspannte Nacken und die Schultern taten weniger weh. Ich konnte besser schlafen. Plötzlich war auch das Bewegungsgefühl ein anderes. Es kam sogar der Ehrgeiz, die ein oder andere Position zu schaffen. Im Fisch bekam ich plötzlich „Luft“. Auch das Gedankenkarussel verlangsamte sich. Mir war es tatsächlich möglich, einfach in der Wiese zu sitzen und zu gucken. Immer öfter ohne quälende Gedanken.

Jeder, der mich kennt, kennt meinen Drang etwas wissenschaftlich zu belegen und auch auf dieser Basis Hunde zu trainieren. Fundiert halt. Es kam, wie es kommen musste. Ich fragte mich, ob es Studien gab, wie sich Yoga auf den Hirnstoffwechsel auswirkt. Und es gibt sie! Die drei wichtigsten Ergebnisse:

  • Yoga und Meditation beeinflussen das Gehirn nachhaltig
  • Emotionskontrolle, Körpergefühl, Aufmerksamkeit und auch Mitgefühl können trainiert, das Schmerempfinden beeinflusst werden
  • Yoga erhöht die Konzentration des dämpfenden Neurotransmitters GABA im Gehirn um 27% (Studie von C.C. Streeter, P. Renshaw und Kollegen)

Bums! Sofort hatte ich meine Angsthunde vor Augen:

  • Ihnen fehlt oft das Körpergefühl – gerade für den hinteren Körperbereich
  • Emotionskontrolle – Fehlanzeige
  • Konzentration oder Aufmerksamkeit vor lauter Angst gar nicht möglich
  • und mein DAUERTIPP bei Angsthunden: wir müssen GABA und Serotonin im Hirnstoffwechsel erhöhen

Und dann war er da der Gedanke: „Kann man verhaltenskreativen Hunden mit Yoga helfen?“ – z. B. auch den hibbeligen Hunden, für die Ruhe ein Fremdwort ist.

Aber die Zweiflerin in meinem Kopf stellte auch gleich die kritischen Fragen:

  • Können Hunde Yoga machen?
  • Können Hunde meditieren?

Aber wie so oft schickt das Universum ja Hinweise :-). So saß ich im November 2017 in einem Vortrag von Stefan Kirchhoff zum Thema „Streuner“. Das gleichnamige Buch kann ich nur empfehlen. Beim Tagesablauf eines typischen Straßenhundes kam dann der Begriff „Gucken“. Das Kapitel im Buch beginnt wie folgt: „Ja, sie lesen richtig. Gucken ist etwas, mit dem Straßenhunde sich sehr lange beschäftigen können, so banal es klingt. … Dabei geht es allerdings nicht unbedingt um die territoriale Wachsamkeit oder Kontrolle der Umwelt, sondern vielmehr um allgemeines Gucken.“

Da war sie die Verbindung zu Meditation. Auch unser Finn begibt sich zumeist am Vormittag auf seine Baumstämme. Dort liegt er und guckt – ohne jegliche Bewegung. Man hat fast das Gefühl er ist abwesend. Am Abend liegt er in einem ähnlichen Zustand auf dem Balkon und hypnotisiert die Wetterstein-Bergkette, bei Regen auf den Stufen vor dem Ofen. Es sieht durchaus aus wie ein meditativer Zustand. Meditation kommt aus dem Lateinischen  meditatio, zu meditari „nachdenken, nachsinnen, überlegen“. Der Geist  soll sich beruhigen und sammeln.

 

Auch mit meiner ersten Angsthündin Nisha habe ich das gemacht – allerdings intuitiv. Ich habe sie jeden Abend zu einer Bank getragen und wir haben dort einfach nur gesessen und geguckt. Ich habe damals nichts über Meditation gewusst. Da Nisha sich nicht bewegt hat, war einfach nichts anderes möglich. Aber der Effekt des „Guckens“ war deutlich. Wir sind beide deutlich runter gefahren und das war arg nötig. Heute denke ich – ja es ist eine Art Meditation, die für viele Hunde gar nicht mehr möglich ist, weil sie dauernd irgendetwas machen müssen.  Man merkt es auch deutlich, wenn man mit einer Meditation beginnt. Nach anfänglicher Aufregung nehmen die Hunde eine bequeme Position ein und gucken. Unabhängig davon, ob ich das jetzt Meditation nenne oder nicht , „gemeinsam mit dem Hund gucken“ ist für mich bei verhaltenskreativen Hunden eine unverzichtbare Übung geworden, die auch dem gestressten Halter hilft. Es ist übrigens ein herrliches Experiment eine Gruppenstunde mit „Gucken“ zu beginnen. Das ist für die Menschen oft schwieriger als für den Hund. Gucken ist also die Startübung für jede Hundeyoga-Einheit.

Dann zur zweiten Frage: können Hunde Yoga machen? Ja.

Allerdings verstehe ich unter Hundeyoga nicht, dass wir den Hund über körperliches Eingreifen in eine Position zwingen wie z.B. die Hinterpfoten hochheben und dann „Pfotenstand“ simulieren.  Für mich ist Hundeyoga auch nicht, den Hund im Vierfüßlerstand auf meinen Rücken springen zu lassen. Für mich sind es tatsächlich Bewegungen des Hundes, die den menschlichen Yogaübungen ähneln. Schönes und prominentes Beispiel ist das „Verbeugen“ des Hundes. Fast alle Hunde machen diese Dehnübung, wenn sie nach dem Schlafen aufstehen. Das Pendant bei den menschlichen Yogaübungen ist der „herabschauende Hund“. Es ist doch irgendwie wegweisend, dass diese Übung so heißt.  Natürlich kann der Hund nicht alle Übungen machen, die Mensch macht, aber je länger man sich damit beschäftigt, werden es doch so einige! Die HundephysiotherapeutInnen sagen jetzt vielleicht, daß machen sie schon ewig. Ja, genau! Auch zur Physiotherapie gibt es Überschneidungen.

Ein Highlight wird Hundeyoga dann, wenn es Hund und Mensch gemeinsam machen. Nachdem man einige Übungen mit dem Hund trainiert hat, kann man sie gemeinsam absolvieren. Das stärkt die Bindung und ein Lernen durch Nachahmung wird initiiert. Über die Lernmethode „Do as I do“ können dann weitere Übungen gemeinsam aufgebaut werden. Dieser Paarlauf ist dann ein echtes Highlight, bei dem auch der Mensch „runter“ kommt.

Aber es gab noch mehr Hinweise des Universums. So bin ich bei meinen Recherchen zum Thema Burnout beim Hund auf den Zusammenhang gestoßen, daß eine instabile oder blockierte Halswirbelsäule zu Multiorganerkrankungen und in der Folge auch zu Burnout oder Depression führen kann:

 „Eine instabile Halswirbelsäule belastet das Halsmark (wo alle Nervenstränge gebündelt sind, die vom Gehirn in den Körper führen und umgekehrt) sowie die arterielle Durchblutung, die durch diese Engstelle ins Gehirn geleitet wird. Eine dauerhafte arterielle Durchblutungsstörung und die Dauerreizung des Halsmarks können zu einer permanenten Überaktivierung des Nervensystems führen (Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol) und sich auf alle Organe, Muskeln und Drüsen auswirken.“

entnommen aus: Voll fertig! Bin ich müde oder schon krank? Dr. med. K. Erpenbach/Heike Schröder VAK-Verlag.

Jetzt müssen wir nur die Brücke schlagen zum Hund, der dauerhaft am Halsband geruckt wird oder der Verspannungen der Schultermuskulatur aufgrund eines schlecht sitzenden Brustgeschirrs hat. Kurzleinenzwang und der kaum noch mögliche Freilauf für Hunde, machen den Weg frei für eine geschädigte Halswirbelsäule und Folgebeschwerden. Einfache Yogaübungen zur Dehnung der Halswirbelsäule könnten damit definitiv helfen. So könnte man mit Hilfe eines Targetstabs z.B. die Kopfdrehung nach links oder rechts üben – ein einfacher Hundetrick!

Schaut man dann noch die Dokumentation auf arte über „Faszien - die geheimnisvolle Welt unter der Haut -  muss man zu dem Schluss kommen, dass Bewegung in Form von Yoga dieses System beeinflussen und auch aktivieren kann. Wer jetzt noch an den TellingtonTouch denkt – ja,  ich persönlich denke, er wirkt auf die Faszien.

 

Und eigentlich ist es dann kein Wunder,

  • dass das Körpergefühl verbessert wird
  • dass die Konzentrationsfähigkeit gesteigert wird
  • dass der Hund durch das Halten einer Position „warten“ lernt
  • und dass sicher auch beim Hund der dämpfende Neurotransmitter GABA ausgeschüttet wird

Und selbst wenn man das alles nicht glaubt, eine anspruchsvolle Hundebeschäftigung ist es allemal.

Für alle, die jetzt Lust bekommen haben, es gibt verschiedene Möglichkeiten, es zu lernen.

Für alle, die nicht in der Nähe sind, gibt es auf EDUDIP einen Online-Kurs mit Forum und  geschlossener Facebook-Gruppe zum internen Austausch. Nach einem einführenden Webinar gibt es jede Woche eine neue Lektion. Die Webinarform hat den Vorteil, dass Ihr zeitlich ungebunden seid und Euch die neue Lektion jederzeit anschauen könnt. Hier geht es zur Anmeldung über edudip: https://www.edudip.com/w/303240

Vorab gibt es am 27.8.18 ein kostenloses Info-Webinar: https://www.edudip.com/w/303264

Im Januar 2019 gibt es ein Wochenendseminar, in dem wir einfache Hundeyoga-Übungen mit dem TellingtonTouch kombinieren. Dieses Seminar werde ich mit Karina Heuzeroth gemeinsam durchführen. Die Seminarbeschreibung ist noch in Arbeit – folgt aber zeitnah. Wer sein Interesse schon kundtun möchte, darf Frauchen gerne eine Mail schreiben - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .